Methode und Programm

Phonetik/Ausspracheschulung beinhaltet zwei große Teilbereiche: die Intonation und die Artikulation. Beide Bereiche müssen trainiert werden! Gerade der intonatorische Bereich ist maßgeblich mitentscheidend für Sympathie oder Antipathie zwischen den GesprächspartnerInnen und dafür, wie wir uns gegenseitig einschätzen (als kompetent, nicht kompetent, interessant, langweilig, hysterisch...).

Beide Bereiche können bei starker Fehlerhaftigkeit bzw. bei sehr untypischer Aussprache beim/bei der muttersprachlichen Gesprächspartner/in zu Ungeduld führen, sogar bis zum Gesprächsabbruch.

Im Mai 2001 fand die Verleihung des Preises für Innovation in der Erwachsenenbildung, ausgeschrieben vom DIE, im Südbahnhof in Frankfurt a.M. statt. Mit meiner Methode Intonation über Rhythmus und Klang war ich eine der fünf PreisträgerInnen.

Intonation

Die Musik der Sprache – oder: Der Ton macht die Musik!

Zur Intonation gehört alles, was mit dem Rhythmus der Sprache zu tun hat: laute und leise, längere und kürzere Silben, Betonungen wie Wort- und Satzakzent im Deutschen, Pausen. Aber auch die Melodieführung/ Tonhöhenbewegung über die Äußerung spielt hier eine sehr wichtige Rolle. Und die Klangfarbe der Stimme (rau, heiser, „zu“ hoch oder tief, fröhlich, traurig...). In der deutschen Sprache sind die Satzakzente ausschlaggebend, denn sie kennzeichnen im Satz/ in der Frage jeweils die inhaltlich wichtigsten Wörter. Also könnte man auch sagen: Die Satzakzente sind die Schlüsselwörter. Deshalb trainiert man – wenn man Satzakzente und Tonhöhen übt – nicht nur die Aussprache, sondern auch Hör- und Leseverstehen.

Für die Intonation nutze ich eine Trommel und andere Perkussionsinstrumente als Hörverstärker, für die Melodieführung habe ich für mein Projekt: „Intonation über Rhythmus und Klang“ eine Posaune eingesetzt, des Weiteren auch Summübungen. Mit Hilfe von Körperbewegungen wie klatschen, gehen, stampfen, Melodiebewegungen mit dem Arm in die Luft malen verdeutliche ich ganz konkret, was in der Sprache passiert

„Und zwar hat man von dem wohl zweifellos feststehenden Satz auszugehen, daß alle Dichtung ursprünglich Gesang war, und zwar vermutlich Gesang begleitet von Tanz, d.h. rhythmischen Bewegungen des Körpers. Ja, man kann vielleicht sogar soweit gehen, zu sagen, daß die gebundene Rede überhaupt dadurch entstand, daß man die Rede rhythmischen Tanzbewegungen anzupassen suchte. An der Hand von Tanz und Gesang, dann weiter an der Hand des Gesangs allein haben sich die spezifischen Formen der gebundenen Rede entwickelt.“

Eduard Sievers, Rhythmisch-Melodische Studien 1893

Artikulation

Phonetik ist Sport! Es geht darum, Muskeln zu trainieren bzw. neu zusammen spielen zu lassen. Über eine Art von mundmotorischer Gymnastik, die den für Deutsch typischen Grad der Mundöffnung, die Lippenspannung und die Zungenposition einübt, kommen wir zur Lautbildung.

Wo und wie werden die Laute der deutschen Sprache gebildet? Und wann? (Position in der Silbe). Konsonanten wie das ch von "ich", das r,  auch solche Themen wie Glottisschlag, Auslautverhärtung und die Länge und Kürze der Vokale spielen hier eine Rolle.

Auch für die Artikulation nutze ich zielgerichtete Bewegungen bzw. unterschiedliche Materialien, wie man hier an diesen Videos sehen kann:

Insgesamt ist es für mich sehr wichtig, dass die Phonetik auch ein System ist, das aufeinander aufbaut, das eine Progression hat, das lehr- und lernbare Regeln hat!

Das Vorgehen ist oft so: Für das phonetische Phänomen sensibilisieren, es wahrnehmen lernen, es über Bewegungen und/ oder Materialien erfühlbar (erhörbar) machen oder verstärken und damit erleichtern – Regeln/ System geben – Hörmuster etablieren, automatisieren. Im Einzelunterricht Phonetik arbeite ich auch viel mit der Analyse und Auswertung von Aufnahmen.

Die Methode ist also eine Synthese aus musikalischen Elementen, unterstützenden Bewegungen, Regeln, Visualisierung, Hören... kurz: der Versuch, möglichst alle Sinne einzusetzen.